Das Wichtigste in Kürze
Der Raffstore ist außenliegender Sonnenschutz aus kippbaren Lamellen - er lenkt Tageslicht fein und hält Hitze ab, bevor sie das Glas erreicht. Entscheidend sind die Lamellenform (die Z-Lamelle verdunkelt am besten), die Montageart (Vorbau zum Nachrüsten, Aufsatz im Neubau) und die passende Windwiderstandsklasse. Je Fenster liegen die Preise grob zwischen 300 und 1.500 Euro; in mehreren Bundesländern gibt es Förderungen.
Vorteile und Nachteile eines Raffstores
Der Raffstore sitzt außen vor dem Fenster und hält die Wärme ab, bevor sie das Glas erreicht - anders als innenliegende Jalousien oder Plissees, die vor allem als Blendschutz wirken. Für die Beschattung ganzer Flächen wie der Terrasse ist dagegen oft eine Markise die bessere Wahl. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wofür Raffstores besonders geeignet sind und wo andere Systeme im Vorteil sein können.
Vorteile
- Wirksamer Hitzeschutz, weil außenliegend
- Stufenlose Lichtlenkung und Blendschutz
- Guter Sichtschutz bei Tag
- Klare, moderne Fassadenoptik
- Gut automatisierbar und smart-home-fähig
Nachteile
- Höhere Anschaffung als einfache Innensysteme
- Empfindlicher gegenüber starkem Wind
- Verdunkelt weniger vollständig als ein Rollladen
Funktionsweise und Lamellenformen
Die Lamellen eines Raffstores lassen sich zweifach bewegen: Sie fahren als Paket nach oben oder unten und kippen zusätzlich um ihre Längsachse. Aus dem Zusammenspiel dieser beiden Bewegungen ergibt sich die gesamte Bandbreite - vom vollständig geöffneten Fenster bis zur nahezu geschlossenen, blickdichten Stellung.
Welche Lamellenform verbaut wird, entscheidet über Verdunkelung, Geräusch und Windstabilität:
- Flachlamelle (rund 60-80 mm): niedrige Aufbauhöhe, gut zum Nachrüsten - verdunkelt aber schwächer
- Randgebördelte Lamelle (rund 80 mm): der leise Klassiker mit ruhigem Lauf
- Z-Lamelle (rund 92 mm): mit Dichtung, beste Verdunkelung und höchste Windstabilität - ideal für Schlafräume
- Tageslichtlenk-Lamelle: leitet Licht an die Zimmerdecke und senkt den Beleuchtungsbedarf
Für welchen Raum eignet sich welcher Raffstore?
Weil sich Lamellenwinkel und -form fein abstimmen lassen, spielt der Raffstore in jedem Raum eine etwas andere Rolle:
- Schlafzimmer: Z-Lamelle für gute Verdunkelung und ruhigen Schlaf, dazu Sichtschutz bei Nacht
- Wohn- und Essbereich: stufenlose Lichtlenkung hält Blendung ab, ohne den Raum abzudunkeln
- Homeoffice und Büro: Tageslichtlenk-Lamellen leiten Licht an die Decke und reduzieren Blendung am Bildschirm
- Große Glasflächen nach Süden und Westen: der Raffstore hält die stärkste Sommerhitze zuverlässig ab
Ein Vorteil gegenüber dem Rollladen: Der Raffstore verdunkelt bei Bedarf, gibt den Blick nach draußen aber jederzeit wieder frei, sobald die Lamellen geöffnet werden.
Typen und Montagearten
Welcher Aufbau passt, hängt vor allem davon ab, ob Sie neu bauen, sanieren oder im Bestand nachrüsten. Grob lassen sich diese Bauformen unterscheiden:

Aufsatzraffstore
Auf das Fensterelement gesetzt - die dämmstarke Lösung für Neubau und Fenstertausch.
Zur Bauart →
Vorbauraffstore
Kasten sichtbar vor der Fassade, ohne baulichen Eingriff - ideal zum Nachrüsten im Bestand.
Zur Bauart →
Schachtraffstore
Kasten unsichtbar in der Wand verborgen - für eine ruhige, klare Fassadenoptik.
Zur Bauart →
Freitragender Raffstore
Für sehr breite Glasflächen ohne störende Zwischenstütze.
Zur Bauart →Jede Montageart hat eine eigene Seite mit allen Details - der Überblick steht in der Übersicht der Raffstore-Arten.
Als Faustregel: Im Bestand ist der Vorbau-Raffstore die naheliegende Nachrüstlösung, weil kein Eingriff in die Fassade nötig ist. Im Neubau oder bei einer Sanierung mit neuen Fenstern sind Aufsatz- und Unterputzsysteme die dämmstärkere und unauffälligere Wahl - sie verschwinden fast vollständig im Baukörper.
Antrieb und Steuerung
Vom Wandschalter bis zur vollautomatischen Anlage lässt sich der Raffstore auf mehreren Wegen steuern. Der Antrieb entscheidet über Komfort, Nachrüstbarkeit und Sicherheit:
- Kabelgebunden per Wandschalter: die günstigste motorisierte Variante, ideal im Neubau
- Funkmotor mit Handsender: komfortabel und einfach nachzurüsten - mit Solarpanel sogar ohne Kabelverlegung
- Smart-Home-Einbindung über Systeme wie Somfy TaHoma, Loxone oder KNX
- Sonnen- und Windsensoren steuern automatisch und schützen die Anlage bei Böen
Welche Steuerung sinnvoll ist, hängt vor allem von der Zahl der Fenster ab: Für einzelne, gut erreichbare Elemente genügt oft die manuelle Bedienung. Sobald mehrere Raffstores im Spiel sind oder Fenster schwer erreichbar liegen, zahlt sich der Motor schnell aus - in Kombination mit einem Windsensor schützt er die Anlage zusätzlich vor Sturmschäden.
Windwiderstandsklassen: worauf es ankommt
Wie viel Wind ein Raffstore aushält, gibt die Windwiderstandsklasse nach EN 13659 an. Sie reicht von Klasse 1 (geschützte Lagen) bis Klasse 6. Für normale Wohnhäuser ist Klasse 3 ein guter Richtwert, exponierte oder hoch gelegene Fenster brauchen mehr.
| Windwiderstandsklasse | Max. Windgeschwindigkeit | Typische Eignung |
|---|---|---|
| Klasse 2 | bis 49 km/h | Geschützte, normale Wohnlagen |
| Klasse 3 | bis 61 km/h | Standard für viele Wohnhäuser |
| Klasse 4 | bis 74 km/h | Höhere Stockwerke, leicht exponiert |
| Klasse 5 | bis 88 km/h | Stark exponierte Lagen |
| Klasse 6 | bis 102 km/h | Hochhäuser und Extremlagen |
Energieeffizienz und sommerlicher Hitzeschutz
Der größte Vorteil eines Raffstores ist bauphysikalischer Natur: Weil er außen sitzt, hält er den Großteil der Strahlungswärme ab, bevor sie durch das Glas in den Raum gelangt - deutlich mehr als jedes innenliegende System. Messbar wird das am Fc-Wert: Der Raffstore erreicht rund 0,25, lässt also nur etwa 25 Prozent der Sonnenenergie durch - einer der niedrigsten Werte überhaupt (Definition nach DIN EN 14501). Das senkt die sommerliche Überhitzung und den Bedarf an Klimatisierung, was sich über die Jahre auch bei den Energiekosten bemerkbar macht.
Umgekehrt lässt sich im Winter Sonnenwärme gezielt hereinlassen, indem die Lamellen geöffnet werden. In Österreich gewinnt der sommerliche Wärmeschutz bei Neubau und Sanierung zunehmend an Bedeutung - außenliegende Beschattung wie der Raffstore ist dafür das wirksamste bewegliche Mittel und genau deshalb in mehreren Bundesländern förderfähig - die Stadt Wien etwa übernimmt laut Sonnenschutzförderung 50 Prozent der Kosten bis maximal 1.500 Euro je Wohnung.
Raffstore im Vergleich zu anderen Systemen
Die Einordnung ist bewusst qualitativ gehalten - sie zeigt Tendenzen, kein starres Ranking. Welche Lösung am besten passt, entscheidet die konkrete Situation an Ihrem Fenster.
| Merkmal | Raffstore | Rollladen | Markise |
|---|---|---|---|
| Hitzeschutz außen | Sehr gut | Gut | Mittel |
| Lichtlenkung | Sehr gut | Gering | Mittel |
| Verdunkelung | Mittel bis gut | Sehr gut | Gering |
| Sichtschutz bei Tag | Sehr gut | Sehr gut | Gering |
| Windempfindlichkeit | Mittel | Gering | Höher |
Als Faustregel: Wo Tageslicht und Blendschutz zählen - in Wohn- und Arbeitsräumen - spielt der Raffstore seine Stärke aus. Geht es um vollständige Verdunkelung, Einbruchhemmung und maximale Windstabilität, ist der Rollladen im Vorteil. Für die Beschattung großer Außenflächen wie der Terrasse ist dagegen keines der beiden Systeme gedacht - dort führt der Weg zur Markise oder Pergola.
Besonders häufig steht der Raffstore in direkter Konkurrenz zum Rollladen - den ausführlichen Vergleich lesen Sie unter Raffstore oder Rollladen?.
Was kostet ein Raffstore je Fenster?
Der Preis eines Raffstores wird meist je Fenster kalkuliert und ergibt sich aus Größe, Lamellenform, Montageart und Steuerung. Als Orientierung dienen die folgenden Richtwerte je Fenster (Stand 2026):
Manuelle Bedienung
300 - 500 €
- Ohne Stromanschluss
- Einfache Technik
Vorbau-Raffstore mit Kurbel oder Gurt - der günstige Einstieg zum Nachrüsten.
Motorisiert
600 - 900 €
- Komfortabel
- Nachrüstbare Sensorik
Elektroantrieb mit Schalter oder Funk - der verbreitetste Standard.
Smart & sensorgesteuert
900 - 1.500 €
- Automatischer Wetterschutz
- Zeit- und Szenensteuerung
Einbindung ins Smart-Home mit Sonnen- und Windautomatik.
Den größten Einfluss auf den Preis haben Fenstergröße und Fläche, gefolgt von Lamellenform, Motor und Steuerung. Sonderfarben, besonders große Elemente und aufwändige Einbausituationen kommen obendrauf. Wer mehrere Fenster gleichzeitig ausstattet, erhält beim Fachbetrieb meist einen günstigeren Stückpreis.
Planung und Nachrüstung
Ob Neubau oder Bestand - am Anfang steht immer das genaue Aufmaß durch den Fachbetrieb. Er prüft die Fenstersituation, die tragfähige Befestigung und bei der Nachrüstung, ob genug Platz für den Vorbaukasten vorhanden ist. Diese Punkte sollten Sie vor der Entscheidung klären:
- Neubau oder Sanierung mit neuen Fenstern: Aufsatz- oder Unterputzsystem einplanen
- Nachrüstung im Bestand: Vorbau-Raffstore prüfen - meist ohne baulichen Eingriff möglich
- Passende Lamellenform je Raum (Verdunkelung, Lichtlenkung) festlegen
- Windwiderstandsklasse zur Lage und Höhe des Fensters wählen
- Bei Wohnungen: Zustimmung von Eigentümergemeinschaft oder Vermieter einholen
Wer ohnehin die Fenster tauscht oder saniert, plant den Raffstore am besten gleich mit - Aufsatz- und Unterputzsysteme lassen sich dann sauber und dämmstark integrieren, statt später sichtbar vorgesetzt zu werden.
Pflege und Wartung
Ein außenliegender Raffstore ist robust, profitiert aber von etwas Pflege - dann bleibt er über viele Jahre leichtgängig:
- Lamellen ein- bis zweimal jährlich mit Wasser und mildem Reiniger abwaschen, nie mit dem Hochdruckreiniger
- Führungsschienen von Laub und Schmutz frei halten, damit die Lamellen sauber laufen
- Bei Vereisung nicht bewegen - festgefrorene Lamellen erst auftauen lassen
- Beweglichkeit, Motor und Sensorik gelegentlich vom Fachbetrieb prüfen lassen
Ein gut gewarteter Raffstore erreicht eine Lebensdauer von rund 15 bis 25 Jahren. Wichtigster Feind ist weniger die Sonne als der Wind: Wer die Anlage bei Sturm zuverlässig einfährt - am besten automatisch per Sensor -, verlängert ihre Lebensdauer spürbar.
Sie möchten die passende Raffstore-Lösung finden?
Der Ratgeber ordnet Lamellenform, Montageart und Steuerung ein - Aufmaß, Angebot und Montage kommen vom Raffstore-Fachbetrieb aus Ihrer Region.
Häufige Fragen zu Raffstores
Worin unterscheidet sich ein Raffstore von einer Jalousie?
Der Raffstore ist die außenliegende Variante: Die Lamellen sitzen vor dem Fenster und halten die Wärme ab, bevor sie auf das Glas trifft. Eine klassische Jalousie hängt innen und wirkt vor allem als Blend- und Sichtschutz, nicht als Hitzeschutz.
Welche Lamellenform verdunkelt am besten?
Die Z-Lamelle (rund 92 mm) verdunkelt dank ihres Z-förmigen Profils mit Dichtung am besten und ist zugleich am windstabilsten - ideal für Schlafräume. Flache Lamellen bauen niedriger und eignen sich gut zum Nachrüsten, verdunkeln aber schwächer. Tageslichtlenk-Lamellen leiten Licht an die Decke und können den Beleuchtungsbedarf spürbar senken.
Kann ich einen Raffstore nachrüsten?
Ja. Für den Bestand kommen meist Vorbau-Raffstores in Frage: Der Kasten wird sichtbar vor die Fassade gesetzt, ohne Eingriff in die Bausubstanz. Am eigenen Haus ist das meist genehmigungsfrei; in Miet- und Eigentumswohnungen braucht es die Zustimmung von Vermieter beziehungsweise Eigentümergemeinschaft.
Was kostet ein Raffstore in Österreich?
Je Fenster liegen Raffstores grob zwischen 300 und 1.500 Euro (Stand 2026): Vorbau-Systeme sind am günstigsten, Aufsatz- und Unterputz-Montage liegen höher. Dazu kommt die Montage mit rund 150 bis 400 Euro pro Fenster, bei Motorbetrieb plus Elektroanschluss. Der Preis hängt von Größe, Lamelle, Steuerung und Einbauart ab.
Gibt es Förderungen für Raffstore in Österreich?
Außenliegender Sonnenschutz wird als sommerlicher Hitzeschutz in mehreren Bundesländern gefördert (etwa Tirol, Kärnten, Wien). Die Stadt Wien übernimmt im Rahmen der Verschattungsoffensive 50 Prozent der Kosten bis maximal 1.500 Euro je Wohnung. Bundesweite Programme wie die Sanierungsförderung ändern Verfügbarkeit und Beträge laufend - prüfen Sie das aktuelle Angebot Ihres Bundeslandes vor dem Kauf.



